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Curriculum Übersicht
Was bedeutet eigentlich Bewusstsein bzw. Bewusstheit und warum ist das so enorm wichtig im Tantra?
 
Wir leben gedanklich meistens in der Zukunft oder in der Vergangenheit, aber nur ganz selten im Hier und Jetzt. Der Augenblick - das Sein - ist aber das Wesentliche, denn nur in der Gegenwart funktionieren unsere Sinne und das Ego löst sich auf. Und genau darum geht es bei allen östlichen Wissenschaften wie Tantra, Yoga oder Zen: um das Auflösen des Ego!
 
Bewusst sind wir nur dann,
wenn wir vollkommen präsent sind. Wenn wir unseren Focus ausschließlich auf das rich- ten, was wir gerade tun, dann sind wir Handlung und  Han- delnde zugleich. Dann gibt es keine störenden Gedanken, die Zeit steht still, wir verschmelzen sozusagen mit der Wirklichkeit.
 
(Fast) jeder Mensch hat schon mal die Erfahrung von totalem Bewußtsein gemacht, auch wenn er in diesem Moment gar keinen Zusammenhang gesehen hat. Dieser Zustand ist meistens sehr kurz, aber heftig: es ist ein Or- gasmus! Für einen Wimpernschlag gibt es keine Gedan- ken, keine Kontrolle mehr. Bewusstsein pur! Versuche ein- mal, während eines Orgasmus einen Gedanken zu for- mulieren! Es geht nicht....
 
Hast du schon einmal ein Reh im Wald gesehen - wie wachsam es schaut, wie aufmerksam es sich bewegt? Du gehst einen Schritt in seine Richtung, es gibt einen gewis- sen Abstand, den es gerade noch zulässt. Geh näher, nur einen Schritt weiter - und es läuft davon.
 
Es hat eine hohe Wachheit, wenn es dich wittert, es ist dann mit seiner ganzen Aufmerksamkeit, mit seiner gan- zen Präsenz bei dir. Es gibt nichts, was zwischen dir und dem Reh steht - keine Zeit, keine Entfernung, es versch- milzt mit dir. Das ist Bewusstheit total!

Bewusstsein und Bewusstheit

George Gurdjieff (Esoteriker, Lehrer des vierten Weges) sagte, dass der Mensch, so wie er heute existiert, eine Maschine ist. Und er hat recht! Beobachte dich einmal selbst, wie automatisiert du dich verhältst. Wieviel Auf- merksamkeit schenkst du dem, was du gerade tust?

Wann hast du das letzte Mal total bewusst in einen Apfel gebissen, das ganze Spektrum an Geschmack gekostet, den Saft wahrgenommen, der sich beim Kauen in deinem Mund sammelt? Wann hast du das letzte mal jemanden hingebungsvoll umarmt, hast deinen ganzen Körper dabei eingesetzt? Schon lange nicht mehr, oder?

Die Problematik liegt darin, dass wir einen Verstand haben. Er ist für das Bewusstsein hinderlich, aber wir brau- chen ihn nun mal im täglichen Leben. Dieser Verstand setzt sich zusammen aus viel Wissen und einigen per- sönlichen Erfahrungen, die zusammen genommen 99 Pro- zent unseres Lebens ausmachen. Der lächerliche Rest ist Bewusstheit. Wenn du zum Verstand wirst, verlierst du die Bewusstheit.

Wir haben den Kontakt verloren, die Verbindung zum Ganzen, zur Schöpfung, zum Göttlichen.

Wenn du bewusst bist, dann bist du unmittelbar mit der Existenz verbunden - dann beginnen deine Sinne zu flies- sen, dann erwachst du, dann erschauerst du, dann bekommst du einen Geschmack vom Göttlichen, dessen Teil du selbst bist!