Sex, Energie, Liebe Wenn wir genau hinsehen, erweist sich das Leben als ein unbegrenzter, nicht enden wollender Fortpflanzungspro- zess. Überall in der Natur ist ein ständiges Werben um diejenigen, die entweder Samen produzieren oder Samen aufnehmen. Scheinbar hat die Natur nichts anderes im Sinn als immer neues Leben zu erschaffen und es gibt eine universelle Anstrengung, die darauf abzielt, daß die Schöpfung nach immer höherem Leben strebt. Die Sexualenergie ist eine universale Kraft, die jedem Lebe -wesen innewohnt. Sie ist die Urenergie - sie bedarf keiner Zuführung in Form von z.B. Essen oder Trinken. Sie gebiert sich aus sich selbst heraus, sie ist einfach da. Sobald sie nicht mehr fließt, ist die Zeit des Sterbens gekommen. Dem Menschen, der das höchstentwickelte Wesen auf diesem Planeten ist, scheint diese Energie in ganz beson- derem Maße zuteil geworden zu sein, denn es gibt kein Individuum das derart sexuell ist - rund um die Uhr, zu jeder Jahreszeit. Unabhängig der reinen Fortpflanzung hat sie beim Menschen aber eindeutig noch einen anderen Sinn, auch da steckt eine Absicht dahinter, denn die Natur produziert nichts Überflüssiges. Es ist der spirituelle Faktor, der der Sexualität viel mehr Tiefe gibt, der für mehr Reife sorgt - für ein höheres Individuum eben. Der Sex wurde aber von den Religionen vergiftet und unterdrückt, dazu an anderer Stelle mehr. In dem Moment, wo die Sexualenergie unterdrückt wird, sucht sie sich neue Formen, um sich auszudrücken. Energie kann nicht statisch bleiben, sie ist immer dynamisch. Wird der natürliche Fluss der Energie verhindert, dann fließt sie eben mehr oder minder unnatürlich, dann sucht sie sich Ersatz. Meistens sind es negative Dinge wie Habgier, Macht, Gewalt.... neunzig Prozent aller Gewaltverbrechen haben als Ursache ein sexuelles Problem, wie Kriminal-Psychologen heraus- gefunden haben. Manchmal wird aber auch ein Künstler daraus.... Der Mensch bekam die ersten flüchtigen Eindrücke von Erwachen - von Meditation - während des Liebesaktes. Das war der Moment der Erkenntnis eines Phänomens: beim Orgasmus, also bei der Ekstase verschwinden alle Gedan- ken, es stellt sich für einen Moment totale Bewußtheit ein. Auf einen Schlag sind wir völlig mit der Schöpfung verbun- den, kein Verstand, keine Kontrolle mehr... Glückseligkeit. Leider hält dieser Zustand nur für einen Augenblick, dann setzt der Kopf sein Werk fort. Aus der Erkenntnis aber, daß Gedankenleere - Bewußtsein pur - zur Ekstase führt, suchte man nach Wegen, um das Ganze auszudehnen. Daraus erwuchsen Systeme wie Bhairava Tantra, Yoga oder No-Mind, des Bewußtseins jenseits des Verstandes, die zur Geburt der Meditation führten. Ursprung und Basis von Meditation ist aber der Sexualakt. Die Erkenntnis war, daß es keinen grundlegenden Unter- schied zwischen der Glückseligkeit der meditativen und der der orgastischen Erfahrung gibt. In tiefer Meditation ist die gleiche Glückseligkeit erfahrbar, aber eben länger als nur ein flüchtiger Orgasmus. Weil ein Orgasmus aber etwas ganz natürliches ist und von jedem Menschen erfahren werden kann, haben sich einige tantrische Linien um die Verlängerung und Intensivierung bemüht. Physischer Sex lässt sich (beim Menschen) qualitativ noch erhöhen, in dem das Spirituelle, mit einbezogen wird: die Herzensebene, die Liebe. Liebe ist die Erfahrung des Einsseins, wenn es kein ich und kein du mehr gibt. Liebe ist, wenn auf einer höheren Ebene aus zweien eins wird: eine Melodie, ein Strömen, ein Wesen - das Ego hat sich aufgelöst.
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