Tantra – Das Bindeglied für den modernen Menschen.

Der moderne Geist ist vollkommen anders als der anderer Zeiten und Kulturen. Er ist praktisch, schnell und agressiv. Dem gegenüber steht sein Drang nach Spiritualität oder Religion. Er sucht nach Idealen und Grundsätzen z.B. eines Judentums, Christentums oder Islam, kann diese aber nicht real praktizieren, weil sie nicht seinem Lebensmuster entsprechen.

Der Mensch braucht einen Weg, der im Einklang mit seinem Umfeld steht. Das moderne Bewusstsein ist ein tantrisches, es ist ungeeignet für Puritanismus und Askese. Es mag Komfort, gutes Essen, Musik, Parties und Sex. Viele Menschen bekommen physische, emotionale und mentale Probleme, wenn sie diese Dinge nicht bekommen. Da die meisten spirituellen Systeme alles Körperliche verdammen, führen sie zwangsläufig in eine Sackgasse. Wenn Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte unterdrückt werden, dann verhindert man damit auch seine spirituelle Entwicklung. Dies führt zu Schuldgefühlen, und das sind die größten Hindernisse im spirituellen Leben.

Über sein Lebenswerk hat Osho einmal gesagt, dass er dazu beitrage, die Bedingungen für die Geburt eines „neuen Menschen“ zu schaffen. Diesen neuen Menschen hat er auch oft als Zorba the Buddha bezeichnet – einen Menschen, der in der Lage ist, wie Sorbas, der Grieche, die irdischen Freuden voll zu genießen und ebenso die stille Heiterkeit des Gautama Buddha. Dies entspricht exakt der Natur des Menschen, dadurch wird er nicht gespalten und kann sich voll entwickeln.

Tantra schreibt dir nicht vor was du zu tun oder zu lassen hast. Tantra schreibt dir nicht vor, wie du dein Leben zu führen hast. Tantra verbietet dir auch nicht, ein komfortables Leben zu führen. Wozu auch? Die technische Entwicklung hat ja durchaus auch Vorteile und kann uns das Leben angenehmer und einfacher machen. Tantra sagt nur: „Sei bewusst in Allem was du tust. Sei dir bewusst, dass alles außerhalb von dir dich auf Dauer nicht glücklich machen wird“.

Björn hat einen neuen Job und arbeitet als Versicherungsvertreter bei einer großen Versicherung. Er ist erfolgreich und verdient viel Geld. Jetzt hat er sich ein neues Auto gekauft, ein Auto, das seinem Status und seinem Ansehen gerecht werden soll. Er hat sich für einen Porsche entschieden. Stolz führt er ihn seinen Kollegen vor, die ihm anerkennend auf die Schulter klopfen. Sogar sein Nachbar in der Reihenhaus-Siedlung, der ihn bisher mit Missachtung gestraft hat, kommt bewundernd um die Ecke und hält einen small talk. An der Ampel schauen ihm die jungen Frauen hinterher und er hat ständig ein Lächeln im Gesicht. Endlich, endlich hatte er es geschafft… jetzt erfährt er die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die er vorher nicht hatte.

Sechs Monate später. Alles hat sich „normalisiert“ und es gibt kaum noch jemand in seinem Bekanntenkreis, der seinen Porsche noch nicht gesehen hat. Nun ist er wieder „gelandet“ und dort angekommen, wo er vorher war. Er hat sein ganzes Glück auf eine Karte gesetzt, nämlich auf die Anerkennung der Anderen. Nun hat er ein Problem. Diesen Glückszustand will er wieder zurück haben. Was tun? Ein neues Auto kaufen, das noch schöner, schneller, teurer ist? Oder ein Haus bauen? Reicht dann eine Sauna im Keller oder soll´s auch noch ein Swimming-Pool sein? Er sitzt in der Falle, und das spürt er ganz deutlich.

Björn ist nur ein Parade-Beispiel, wie der moderne Mensch tickt. Wir können die Liste endlos erweitern, auch mit berühmten Personen wie Whitney Houston, Michael Jackson, Robin Williams. Sie alle waren ganz oben und Ikonen ihrer Zunft. Die meisten von ihnen hatten Geld im Überfluss, aber auch psychische Probleme und Depressionen. Gerade am Beispiel von Whitney Houston lässt sich die ganze Dramatik erkennen, die sich auf der menschlichen Ebene abgespielt hat. Sie hatte alles erreicht, was man als Sängerin erreichen kann – aber sie hat eben „nur“ eine bestimmte Rolle gespielt, aus der sie nicht mehr herauskam und ist letztendlich daran zerbrochen. Das hat sich dann in Drogen-Exzessen, Alkohol und Tablettensucht niedergeschlagen so wie bei vielen anderen ihrer Zunft. Es gab Gerüchte, daß sie Suizid begangen hat, vielleicht weil sie die Ausweglosigkeit ihrer Situation erkannt hatte und resignierte. Welche Ziele kann jemand haben, der materiell und gesellschaftlich eh schon ganz oben ist? Da kann nichts Mehr kommen allenfalls der Absturz.

Wenn dies Musiker wie in unserem Beispiel betrifft, dann hat das für andere Menschen keine weitreichende Bedeutung, abgesehen von Personen aus ihrem nahen Umfeld oder Fans, die trauern. Anders sieht die Sache aber aus, wenn man Personen anschaut, die eine gewisse Machtposition haben. Geld und Macht sind nur Ersatzmittel für ein fehlendes Glücksgefühl. Bei „Machtmenschen“ spielt Geld keine dominante Rolle, hier geht es um das vergrößern der Macht oder um Ruhm.

Stellvertretend könnten wir uns hier die Geschichte von Alexander dem Großen anschauen, der einmal auszog mit dem Ziel, Rache zu nehmen für die Überfälle der Perser in Griechenland. Nachdem er den Perserkönig Dareios besiegte, setzte er sich neue Ziele. Nun wollte er den Ruhm seines Vorbildes Achilles übertreffen. Sein Leben verbrachte er auf den Schlachtfeldern bis er die halbe damals bekannte Welt eroberte. Hatte er ein Reich besiegt, musste er weiterziehen… immer weiter, immer mehr… Weder vor noch nach ihm hat ein einzelner Mensch ein so großes Reich beherrscht wie er.

Nach über zehn Jahren Krieg und Eroberungen suchte er seine Zuflucht in Sauf-Gelagen, und irgendwann war er nur noch ein menschliches Wrack. Während einer seiner Alkohol-Exzesse erstach er seinen engsten Freund und Vertrauten, weil der ihn verlassen wollte wenn er nicht mit dem Erobern aufhört. Er hat sein Heer verschlissen und seine Freunde – sie alle waren müde vom vielen Morden und wollten nur noch nach Hause. Im Alter von nur 33 Jahren starb er an den Folgen seines Alkohol-Konsums in Babylon. Ruhm und Anerkennung hat er bekommen – den Preis dafür zahlten die 50.000 Tote, die er auf dem Weg zu seiner Macht hinterlassen hat. Mit leeren Händen betrat er diese Welt, und mit leeren Händen hat er sie wieder verlassen…

So lange dein Glück von der Anerkennung anderer Menschen abhängig ist, sitzt du in der Falle. Du kannst dir Wohlstand und materielle Dinge gönnen, aber sei dir bewusst, dass dich das auf Dauer nicht glücklicher macht. Wenn du dir dessen bewusst bist, dann kauf dir gerne einen Porsche….

Tantra sagt: „Du kannst den Grundpegel deiner Zufriedenheit oder deines Glücksgefühls erhöhen – aber nur, in dem du nach Innen schaust.“