Liebe, Verliebt-Sein und Partnerschaft

Liebe ist das Haupt-Thema der spirituellen Szene. Die gesamte esoterische Literatur ist überladen mit spirituellen Halbwahrheiten – und dazu gehört auch das Thema Liebe. Wenn man sich in spirituellen oder esoterischen Kreisen bewegt, bekommt man den Eindruck, dass sich so mancher Sucher in heiligem Singsang verliert. Das hat dann nichts mehr mit der Realität zu tun, sondern eher mit Flucht, Wunschdenken und Schönreden.

Am besten, wir tasten uns einmal Schritt für Schritt an das komplexe Thema heran und versuchen, einen halbwegs wertfreien Standpunkt einzunehmen. Wie bereits erwähnt ist Tantra eine Wissenschaft des Bewusstseins – man könnte auch sagen, dass die Tantriker die ersten Hirnforscher waren. Sie beobachteten akribisch, wie der Mensch „tickt“ und sie wollten herausfinden, was ihn glücklich oder unglücklich macht.

Wir lassen bei unserer Betrachtung aber auch den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Hirnforschung und Genetik ihren Raum. Mit diesem Ansatz können wir beide Hemisphären, nämlich die zeitlosen, spirituellen Weisheiten des Ostens und die wissenschaftlichen Erkenntnisse des Westens miteinander verbinden, denn beide haben ohne jeden Zweifel ihre Berechtigung.


Wissenschaft des Westens und Spiritualität des Ostens

Im spirituellen Sprachgebrauch gibt es drei (Haupt-)Arten von Liebe:

  • die Universale oder Göttliche Liebe
  • die Selbstliebe
  • die Liebe zu einem Partner

Fakt ist: Liebe ist Liebe, da gibt es keinen Unterschied. Aber werfen wir doch einen Blick auf die einzelnen Aspekte. Für die meisten Menschen sind Begrifflichkeiten wie zum Beispiel „selbstlose oder Selbstliebe“ und „universale“ Liebe nicht richtig greifbar und in der Praxis schwer umsetzbar, weil unser Gehirn und unsere Instinkte – also das ganze „System Mensch“ – dagegen arbeitet. Dazu kommt ein weiterer Grund: die Denkweisen von Ost und West sind völlig unterschiedlich! Das westliche Denken ist wissenschaftlich-dialektisch, während das östliche spirituell-ganzheitlich ist. Deshalb haben die Menschen des Abendlandes einen leichteren Zugang zu wissenschaftlichen Formulierungen und Erkenntnissen, weil sie diese Sprache schon seit der Kindheit gewohnt sind. Die Sache hat nur einen Haken: die Sprache der  westlichen Wissenschaft ist zählen, messen, wiegen. Die Sprache der Liebe ist Meditation. Meditation und Liebe existieren jedoch jenseits von Messinstrumenten.

Wenn es um das Thema Liebe geht, ist die spirituelle Sichtweise des Ostens in seinem kosmischen Konsens natürlich richtig – wahre Liebe ist selbstlos! Es braucht aber schon ungeheuer viel Bewusstsein, also meditative Erfahrung, um das wirklich auch dauerhaft umsetzen zu können. Liebe findet jenseits unseres Körpers statt, wir können aber unseren Körper mit all seinen Instinkten und Emotionen nicht einfach ignorieren. Aus diesem Grund hat die moderne Wissenschaft eben auch recht, und das macht das Ganze so schwer. Deshalb ist es gut, wenn du die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft mit einbeziehst, damit du die Zusammenhänge und emotionale Reaktionen unseres „animalischen“ Körpers besser verstehst. Das kombinierst du dann mit den Erkenntnissen östlicher Weisheit und in der Summe hast du dann eine Basis, an der du wachsen kannst.


Liebe ist Meditation

Liebe braucht ungeheuer viel Bewusstheit. Die Begegnung zweier Bewusstheiten ist Liebe… Die Begegnung von zwei bewussten Menschen, die ineinander verschmelzen, führt zu dem größten Orgasmus, den das Universum zulässt. Aber bevor das geschehen kann, musst du dich vom Körper, vom Verstand und vom Herzen entfernen und das Zentrum deines Seins erreichen.“ OSHO

Das bedeutet nichts anderes, als dass du zuerst nach innen schauen musst, und das ist MEDITATION. Du kannst nicht jemanden aktiv lieben, du kannst nur in Liebe sein. Dann ist es tatsächlich Liebe und nicht Begierde. Meditation ist der Schlüssel dazu, denn Meditation ist die Grundlage aller fernöstlichen Lehren. Wer nichts mit Meditation am Hut hat, wird zwar die Worte, aber den Sinn nicht verstehen…

Liebe ist eine spirituelle Erfahrung – sie hat nichts mit den Geschlechtern zu tun, nichts mit den Körpern, sie hat etwas mit dem innersten Sein zu tun…. Sei zuerst du selbst, erkenne dich selbst – und dann kommt Liebe als Belohnung. Sie ist eine Belohnung aus dem Jenseits.“ OSHO

 


Liebe ist eine Wir-Identifikation

Was ist Liebe aus Sicht der modernen Hirnforschung? Wie oder wo entsteht sie? Eins ist jedenfalls sicher: aufgrund von rationalen Definitionen kann kein Mensch sie richtig erklären und schon gar nicht erfahren, selbst wenn er sie im Kern versteht. Liebe entsteht nicht durch Beurteilungen oder Aktivität. Liebe entsteht jenseits des Verstandes, es ist ein Zustand und zugleich ein Prozess! Sie tritt oft als eine Art Mischwesen auf, bei dem zeitgleich Vermeidungsgefühle wie Angst und Eifersucht von unserem Emotionalgehirn „beigemischt“ werden: der „Kontroletti“ wird aktiv. Eifersucht ist also eine vollkommen natürliche Reaktion und das kannst du zunächst auch nicht vermeiden.

Per wissenschaftlicher Definition ist Liebe ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Aus irgend einem Grund ist mehr oder weniger spontan eine Wir-Identifikation entstanden. Identifikation ist ein Elementar-Prozess in unserem Gehirn, der in unseren Genen verankert ist und auf den wir keinen direkten Einfluss haben. Also immer dann, wenn ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht, kann sich Liebe entwickeln. Liebe ist kein Zustand, den man machen oder herbeiführen könnte – er entsteht einfach aus sich selbst heraus. Warum und weshalb, ist mit dem Verstand nicht nachvollziehbar. Der Liebe ist es ebenso egal, ob sie sich beim Umarmen eines Baumes, beim Streicheln einer Katze oder beim Küssen eines Menschen entfaltet, denn Liebe ist weder fixiert, abhängig noch begrenzt. Alles und jedes, bei dem eine Wir-Identifikation entsteht, ist Liebe.


Universale Liebe und Selbstliebe

Die Universale Liebe ist die Identifikation mit allem was ist, während die Selbstliebe eine Wir-Identifikation mit sich selbst darstellt. In vielen spirituellen Büchern und Vorträgen wird die Selbstliebe als das erstrebenswerte Ziel postuliert, weil sie angeblich frei und unabhängig von Personen und Umständen machen soll. Ist das wirklich erstrebenswert? Na ja… bei genauerem Hinsehen ist das ist halb richtig und halb falsch. Um das zu verstehen, kann man sich auch hier wieder den Erkenntnissen der modernen Wissenschaft bedienen.

Der Mensch ist von seinen genetischen Anlagen her ein Rudel- oder Herdentier, er braucht (zumindest in frühmenschlichen Zeiten) seine Familie, seine Sippe oder seinen Stamm – also ein soziales Umfeld, mit dem er eng verbunden ist, damit er überhaupt überleben konnte. Jeder Einzelne musste sich auf den Anderen verlassen können und trug etwas zum (Über-)Leben bei. War ein Mensch plötzlich auf sich alleine gestellt, bedeutete das auf kurz oder lang den Tod. Heute ist das keine Frage des Überlebens, es ist „nur“ eine Sache des Wohlbefindens und der Zufriedenheit. Wer ist schon gerne über eine längere Zeit unfreiwillig einsam?

Es gibt aber auch einige wenige Menschen, die vorübergehend und ganz bewusst die Einsamkeit suchen in der Hoffnung, dadurch bestimmte Erkenntnisse zu bekommen – aber das steht auf einem ganz anderen Blatt. Sterben muss man heutzutage aufgrund von Alleinsein nicht mehr, aber unser sogenanntes Reptiliengehirn reagiert heute noch genau so wie in den Urzeiten mit Ängsten, Unzufriedenheit und dem starken Drang, diesen Zustand zu ändern. Das depressive Gefühl der Einsamkeit ist das wohl eindringlichste dieser Vermeidungsgefühle.

Es entspricht nicht der Natur des Menschen, als einsamer Wolf durch die Lande zu ziehen. Im Gegenteil – nur in der Herde fühlt er sich auf Dauer wohl und er umgibt sich gerne mit Menschen, die zu ihm passen. Darüber hinaus gibt es einen natürlichen Drang, sich einen Partner zu suchen. Wenn jemand also sein Ziel ausschließlich auf die sogenannte Selbstliebe ausrichtet, dann kämpft er im Prinzip gegen seine genetisch bedingte Natur an. Und das führt auf kurz oder lang zu Frustration, denn den Kampf gegen seine Natur kann niemand auf Dauer gewinnen – es sei denn er ist erleuchtet!

Aber abgesehen davon können wir niemals total unabhängig sein, selbst dann nicht, wenn wir in die Wildnis ziehen und uns autark ernähren – denn auch dort sind wir abhängig von dem, was uns die Natur bereitstellt. Solche spirituellen Halbwahrheiten führen manchmal dazu, dass krampfhaft versucht wird, ein postuliertes Ideal anzustreben, das von einem „normalen“ Menschen in unserer Kultur praktisch nie dauerhaft erreicht werden kann.

Hast du schon einmal einen Menschen getroffen, der wirklich auf Dauer in reiner Selbstliebe oder göttlicher Liebe ist? Schau dir diejenigen genau an, die das von sich behaupten und du wirst sehr wahrscheinlich feststellen, dass es nur eine Rolle, eine Inszenierung ist, die in Stress-Situationen hinter den Kulissen zusammenbricht wie ein Kartenhaus. In dauerhafter Liebe zu sein erfordert einen hohen Level an Bewusstheit, den nur wirklich „erleuchtete“ Menschen wie z.B. ein Gautama Buddha, Jesus oder Osho hatten.


Selbstachtung und Selbstverantwortung

Niemand außer du selbst übernimmt die Verantwortung für dich – weder für dein Glück noch für dein Handeln. Das Schlagwort Selbstliebe könnte man geschickter mit dem Wort Selbstachtung ersetzen, das ist unmissverständlicher und hat etwas mit Respekt gegenüber sich selber zu tun. Alles, was gegen deine Natur, deine Bedürfnisse, deine Emotionen oder Ähnliches ist – also alles, was dich unglücklich macht – das verbanne aus deinem Leben. Alles andere ist eine dauerhafte Selbstvergewaltigung. Dein SELBST wird dich dafür lieben!

Zur Selbstachtung gehört also, sich so anzunehmen wie man ist – mit allem was dazu gehört, mit vermeintlichen Fehlern und Schwächen, aber auch mit deinen Sehnsüchten und Wünschen. Das ist der erste, aber wichtigste Schritt! „Du sollst keine Begierden haben!“ ist eine weitere spirituelle Halbwahrheit, die sich hartnäckig in esoterischen Kreisen hält. Selbst Buddha hat nie gesagt, dass du keine Wünsche oder Begierden haben sollst – er hat das immer nur auf die Meditation bezogen!

Oft spielen wir im Leben nur bestimmte Rollen, d.h. wir „funktionieren“ in der Regel so, wie man es uns beigebracht hat – also was wir zu tun, zu lassen und zu denken haben. Mit einem Großteil davon können wir uns aber vielleicht gar nicht identifizieren, und das setzt uns unter Druck oder macht uns unglücklich.

Wir können das als unsere Programmierung bezeichnen, die bereits im Kindesalter mit aller Macht beginnt. Wie extrem diese Rollen gespielt werden, zeigt sich sehr deutlich in ländlichen Gebieten, wo jeder aufpasst, dass sich alle (vor allem aber die anderen) an die Spielregeln halten, die irgend jemand einmal festgelegt hat. Auch Religionen gehören zu den großen und mächtigen „Spielregel-Gestaltern“. Mit manchen dieser Rollen  fühlen wir uns aber nicht gut und sind unglücklich. Wenn wir daran nichts ändern, ist das weder Selbstliebe noch Selbstachtung. Erst wenn du dich als eigenständiges und einzigartiges Individuum akzeptierst, erst dann hast du dich selbst respektiert!

Du musst dich ja nicht gleichzeitig auch noch lieben! Das Argument, dass man nur geliebt werden kann, wenn man sich selber liebt, ist Unsinn – das zeigt sich in vielen Beziehungen, in denen einer von beiden sich nicht liebt, aber trotzdem vom Partner geliebt wird. Auch ein Baby liebt zunächst seine Mutter bedingungslos, auch wenn es keine Gegenliebe erfährt oder sogar unerwünscht ist. Dass sich das später ändern kann, ist eine ganz andere Sache.


Universale oder göttliche Liebe

Die meisten spirituellen Sucher machen sich auf einen bestimmten Weg, der ihnen Antworten liefern oder der zu einem bestimmten Ziel führen soll. Manche verhaspeln sich dabei schon aus einem einfachen Grund: das Ziel ist viel zu hoch angesetzt! Das gilt speziell für das Thema Universale Liebe, das höchste Ziel der spirituellen Entwicklung eines Menschen (wenn man einigen wenigen erleuchteten und zahlenmäßig noch viel mehr nicht-erleuchteten Meistern glauben schenken mag). Du kannst kein Haus bauen, wenn du dabei mit dem Dach anfängst – ein Haus braucht zuerst ein stabiles Fundament und Pfeiler, die es tragen. Man muss also erst einmal die Basis schaffen und geht dann Schritt für Schritt weiter. Unrealistische Ziele sind keine erstrebenswerten Ziele! Irgendwann führt das zu Frust und am Schluss zur Resignation. Bleib geerdet und wachse! Eine Blume braucht starke Wurzeln in der Erde, damit sie reifen und erblühen kann…

Universale Liebe bedeutet, alles und jeden bedingungslos zu lieben. Hand auf´s Herz… kannst du dir wirklich vorstellen, einen Menschen zu lieben, der dir gerade deine Existenz zerstört oder im Suff dein Kind tot gefahren hat? Natürlich nicht! Da schalten alle Ampeln auf rot, das ist eine natürliche Reaktion und dagegen kannst du überhaupt nichts machen. Und wenn du dann auch noch zwanghaft versuchst, den Verursacher trotzdem zu lieben, weil es von dir als spirituellem Menschen so verlangt wird, dann wirst du irgendwann verrückt… oder erleuchtet!

Jeder Weg führt in eine Sackgasse, der den Menschen von seiner Natur und seiner Bestimmung wegführt. Wie bereits oben erwähnt, entspricht es der Natur des Menschen, sich einen Partner zu suchen. Das ist für die meisten Menschen ein realistischer  und vor allen Dingen natürlicher Weg, um Liebe zu erfahren – nämlich die Liebe zu einem anderen Menschen. Es ist zugleich der einfachste Weg von allen, weil er exakt der Natur des Menschen entspricht. Aber auch hier müssen wir die Sache näher betrachten, denn viele verwechseln den Zustand des Verliebt-Seins mit echter Liebe.


Verliebt-Sein.

Die Liebe kommt, sie bleibt eine Weile, und dann geht sie wieder… wir alle kennen das, insbesondere diejenigen, die schon mehrere Liebschaften hinter sich haben. OSHO hat es sinngemäß einmal folgendermaßen beschrieben:

Du kannst das Verliebt-Sein vergleichen mit einem Stück Holz und dem Feuer. Je besser das Holz, desto länger brennt es. Danach glüht es noch eine Weile. Eines jedoch ist sicher: selbst das hochwertigste Holz und die heißeste Asche wird irgendwann einmal erloschen sein“.

Was geschieht eigentlich beim Verliebt-Sein mit uns? Ist das nur ein Trick der Natur? Definitiv… aber gehen wir zunächst einmal wieder ganz wissenschaftlich vor. Warum Mann und Frau zusammenfinden, liegt im wahrsten Sinne des Wortes in der Natur der Sache, nämlich Reproduktion. Die Natur hat kein Interesse daran, dass zwei Menschen ihr gesamtes Leben in ewiger Liebe miteinander verbringen. Die Erhaltung der Art kann nur durch Nachkommen, also Fortpflanzung gesichert werden. Was braucht es dazu? Richtig: Sex. Und zwar ausschließlich Sex! Darüber hinaus ist sie auch interessiert daran, dass es Evolution, also Entwicklung gibt.

Die Natur strebt nach immer höherem, sie will Fortschritt. Das erreicht sie aber nicht, indem sie zwei Individuen zusammen bringt, die sich in vielen Aspekten sehr ähnlich und in völliger Harmonie sind. Die Nachkommen von beiden hätten genetisch keinerlei Vorteile. Ergo: je größer die Unterschiede zwischen Mann und Frau, desto besser ist es für die Gene der Nachkommen. Diese beiden höchst unterschiedlichen Individuen würden aber wahrscheinlich nie zu einander finden, weil sie sich gar nicht sympathisch wären. Also hilft die Natur kräftig nach: sie macht nämlich blind und taub! Damit die Beteiligten nicht lange darüber nachdenken können, ob das ganze nun vernünftig, sinnvoll oder dauerhaft sein könnte, werden schlagartig alle Alarmvorrichtungen vorübergehend ausgeknipst, der „normale“ Verstand setzt aus, man ist verliebt! Und sie setzt die stärkste Kraft ein, die sie zur Verfügung hat: die sexuelle Anziehungskraft. Diese übernimmt ab sofort das Steuer, und zwar mit ganzer Macht.

Das menschliche Gehirn verfügt über vier neuro-emotionale Systeme. Hier entstehen die sogenannten

  • Belohnungsgefühle
  • Lockgefühle
  • Zusammengehörigkeitsgefühle
  • Vermeidungsgefühle

Aus der nüchternen Perspektive der Hirnforschung gesehen stellt sich das so dar: Verliebtheit ist eine Mischung aus Lock-/Vermeidungs– und Belohnungsgefühlen mit dem Ziel, zwei Menschen zusammen zu bringen, damit sie sich fortpflanzen. Freude, Zufriedenheit, Genuss und Spaß gehören zu den Belohnungsgefühlen. Diese Gefühle entstehen dann, wenn wir von unserem Emotionalgehirn für eine Verbesserung unserer Lebensumstände belohnt werden. Je positiver unsere Beurteilung ausfällt, desto stärker sind diese Belohnungsgefühle. Die Ursache liegt also in der Beurteilung sowohl durch den Verstand als auch durch unsere Intuition.

Wir finden einen Menschen attraktiv und glauben, dass wir mit diesem Menschen glücklich sein könnten. Unser Emotionalgehirn reagiert auf diese Vorstellung mit dem Lockgefühl des Verlangens. Wir wollen diesen Menschen haben. Wir fangen an, für diesen potentiellen Partner zu schwärmen und fühlen uns verliebt.

An dieser Stelle gibt es die nächste Etappe bis zum Ziel, denn manchmal bekommen wir Angst, dass wir diesen Menschen nicht bekommen, weil er sich vielleicht gar nicht für uns interessiert. In dem Moment jedoch, in dem wir eindeutige Anzeichen erkennen oder sogar ein „Ja“ bekommen, erhalten wir sofort ein ganz bestimmtes Belohnungsgefühl: Euphorie!

Verliebt-Sein lässt sich also wissenschaftlich plausibel erklären und mit dem Verstand erfassen, es ist eine Mischung aus Verlangen (Lockgefühl), Angst (Vermeidungsgefühl) und Euphorie (Belohnungsgefühl). Diese drei Gefühle können in ihrer Kombination so dominant werden, dass wir uns wie in einem Rausch befinden. Ob sich aus dem Verliebt-Sein echte Liebe entwickelt, stellt sich erst nach einer ganzen Weile heraus: das Lockgefühl des Verlangens wird nämlich „abgestellt“, denn wir haben ja bekommen, was wir wollten. Die Phase des Verliebt-Seins ist in der Regel nach 3-6 Monaten beendet. Kein starkes Verlangen mehr, keine Euphorie – der Zauber ist vorbei. Nun geht es darum, diesen Menschen zu behalten, und das aktiviert oft Vermeidungs- und Verlustgefühle wie z.B. Eifersucht.

Es sei denn, es hat sich echte Liebe entwickelt, dann findet der Zauber auf einer ganz anderen Ebene statt – dann entsteht wahre Verbundenheit, ein Wir-Gefühl, also Liebe. Wahre Liebe lässt sich im Gegensatz zu Verliebt-Sein nicht mit dem Verstand erklären und schon gar nicht erfahren, denn

Liebe ist unser natürlicher Zustand, aber sie braucht Raum, um sich entfalten zu können. Der Verstand nimmt der Liebe diesen Raum. Liebe erblüht, wenn du deinen Verstand verlierst.“ 


Liebe in der Partnerschaft.

Für viele Menschen sind die erfüllendsten Momente im Leben, in denen sie mit einem anderen Menschen eine starke Verbindung auf der Herz-Ebene haben. Das Gefühl zu haben, mit dem Anderen so stark verbunden zu sein, als ob es nicht zwei, sondern EINS wäre. Daraus entwickelt sich der sogenannte Synergie-Effekt: 1+1=4. Das bedeutet, dass sich alles potenziert, wenn zwei Menschen sich wirklich lieben.

Im Idealfall ist es dann eine Liebes-Beziehung, die ein echtes „Wir-Gefühl“ beinhaltet, jedoch nicht einengt. Einen Menschen zu lieben bedeutet auch, ihm Freiheit zu schenken, damit er sich eigenständig entwickeln und entfalten kann. Oft wird die Liebe in einer Beziehung aber zerstört durch Besitzdenken, Eifersucht, gegenseitige Manipulation sowie Macht- und Ego-Kämpfe, weil sie nicht auf der Herz-Ebene stattfinden.

Liebe stellt keine Bedingungen, keine Wenns und Abers. Liebe sagt nie: Wenn du diese Bedingungen erfüllst, dann werde ich dich lieben. Liebe ist wie Atmen: Wenn es passiert, bist du einfach Liebe… Liebe gibt bedingungslos – aber nur diejenigen, die sie haben, können sie geben.“ OSHO

Die Basis für „echte“ Liebe ist und bleibt MEDITATION. So lange du nicht gelernt hast nach innen zu schauen, wird es schwierig… und bis dahin wird sich deine Partnerschaft sehr wahrscheinlich auf der Ebene der Begierde bewegen. Begierde ist Ausdruck unseres animalischen Körpers, Liebe ist jenseits davon. Sexuelle Begierde ist zwar vollkommen natürlich, sie hat mit wahrer Liebe aber nichts zu tun. Wenn du das verstanden hast, kannst du die Beweggründe für eine Partnerschaft hinterfragen und die nächsten Schritte tun. Möchtest du mittels eines anderen Menschen deine eigenen, natürlichen Bedürfnisse befriedigen, also z.B. nicht alleine sein oder Sex haben wollen? Es geht hier nicht um eine Bewertung oder Unterteilung in gut und schlecht – es geht nur um die Erkenntnis! Und was wäre die Konsequenz aus dieser Erkenntnis, wenn dein Partner längere Zeit keine Lust auf Sex mit dir hat? Vielleicht Unzufriedenheit oder sogar Frust? Wäre das dann nicht eine Art von Abhängigkeit? Oder bist du in echter Liebe, die bedingungslos ist und gibt, aber nichts fordert?


Aber wir sollten auch realistisch sein – wie viele Menschen sind denn überhaupt in der Lage, bedingungslos zu lieben bzw. dauerhaft in Liebe zu sein? Und wie lange braucht man, bis man dieses Ziel erreicht hat? Ist das wirklich der einzige Weg, Glück und Erfüllung in einer Partnerschaft zu erfahren? In gewisser Weise gibt es einen alternativen Weg, der für die meisten Menschen durchaus machbar ist – wir müssen dafür nur unseren Blickwinkel verändern. Diesen Weg haben die Anhänger des sog. „roten Tantra“ gewählt, es ist der direkte Weg über die Sexualität ohne Umwege. Das ist der Grund, warum einige tantrische Linien die Sexualität in hohem Maß kultiviert haben.

Für die Mehrzahl der Menschen sind Begrifflichkeiten wie „wahre Liebe“ oder „selbstlose Liebe“ Ideale, mit denen sie nicht wirklich etwas anfangen können – besonders dann, wenn sie keinen Zugang zu Meditation haben. Außerdem stellt sich für immer mehr Menschen gar nicht erst die Frage, ob sie mit einem einzelnen Partner für immer und ewig zusammen sein wollen. Die klassische Zweierbeziehung, die sogenannte romantische Liebe die ewig hält, ist für viele weder erstrebenswert noch realistisch. Trotzdem gibt es die genetisch bedingte Sehnsucht nach einem Partner, und wenn es den auf längere Zeit nicht gibt, entsteht eine Leere, dich sich auch nicht mit der so hoch gelobten Selbstliebe füllen lässt. Darüber hinaus gibt es bei jedem Menschen den starken Drang, sich mit einem anderen Menschen körperlich zu vereinigen sprich: Sex zu haben. Hinter seiner kraftvollen Sexualität steckt beim Menschen jedoch viel mehr als „nur“ Fortpflanzung, Lust und Freude – auch wenn ihnen das in dieser Tragweite gar nicht bewusst ist. Es geht um das Erfahren der Einheit!

In den spirituellen Erkenntnissen des Ostens besteht der Sinn des Lebens für uns Menschen darin, dass sich unsere Seele zeitweilig einen feststofflichen Körper aussucht, um bestimmte Erfahrungen machen zu können, die sie als reines Bewusstsein nicht machen kann. Was ihr fehlt, sind sinnliche Erfahrungen – und dazu braucht sie menschliche Körper, Shiva und Shakti. Auf der Reise in ihren Körpern als Mann und Frau sind beide auf feststofflicher Ebene getrennt und „unvollkommen“. Deshalb gibt es den starken Ur-Trieb und eine Sehnsucht, sich zu vereinigen, um wieder „ganz“ zu werden.

Sex, Orgasmus und Ektase bescheren die intensivsten Gefühle, die Menschen haben können. Die Tantriker nutzen das Potenzial unserer Sexualität, um die Trennung von Mann und Frau auf der feststofflichen Ebene aufzuheben. Während einer intensiven Vereinigung und im Moment der Ekstase erfahren sie sich wieder als Einheit, sie kommen zum Ursprung zurück und werden EINS.

Mehr dazu findest du auf unserer Seite → Sexualität.