Meditation

Wenn es um die Frage geht, was Meditation bzw. das Ziel von Meditation ist, dann bekommt man oft die Antwort: „zur Ruhe kommen“. Die Ruhe, die sich einstellt in tiefer Meditation ist zwar ein TeilErgebnis davon, es ist aber nicht das Ziel.

Um was geht es dann? Es geht darum, bewusst-zu-sein! Aber beginnen wir einmal so: in unserer Zeit und Kultur spielt sich 99 Prozent unseres Lebens im Kopf ab. Es ist „der Denker“, der ständig quasselt – rund um die Uhr, sogar im Schlaf. Wir können nicht einfach sagen: ich denke jetzt mal nicht! Das, was eigentlich eine Hilfe, ein Werkzeug sein sollte hat vollkommen die Kontrolle übernommen. Das ist unsere wahre Krankheit!

Das Denken, der Verstand nimmt praktisch den gesamten Raum ein, es bleibt nichts mehr übrig für Bewusstheit. Und damit sind wir getrennt vom wirklichen Leben, denn der Denker produziert endlos Geschichten, Filme und Bilder, die mit der Realität nichts zu tun haben. Stephen Spielberg lässt grüssen!

Der Denker bewegt sich hauptsächlich in der Zukunft oder der Vergangenheit. Der Augenblick, das So-Sein ist der Tod des Denkers. Deshalb muss er aktiv bleiben und pendelt zwischen den beiden virtuellen Zeiten hin und her, damit er existieren kann. Er arbeitet dabei mit großer Raffinesse und benutzt viele Tricks, um am Leben zu bleiben.

Wir müssen lernen, den Denker zu kontrollieren und Raum zurückzufordern vom Verstand, damit Raum für Bewusstsein entsteht. Bewusst-zu-sein bedeutet, total in der Gegenwart, also vollkommen präsent zu sein. Der Denker wird still. Innere Ruhe kehrt ein. Die Trennung von der Wirklichkeit ist aufgehoben. Die Sinne sind reaktiviert und können sich wieder vollkommen entfalten.


Meditation ist NICHTS

Es ist schwierig, Meditation überhaupt zu beschreiben, weil Meditation eigentlich NICHTS ist. Deshalb gibt es so viele Beschreibungen, die alle auszudrücken versuchen, was Meditation ist. Prinzipiell kann man festhalten, dass Meditation ein Instrument, eine Technik zur Erlangung von Bewusstheit ist, damit wir mit dem wahren Leben, dem So-Sein, verbunden sind. Dann sind wir jenseits von Leid, Kummer oder Sorgen und unabhängig von den äußeren Umständen, die uns glücklich machen sollen. Der Focus liegt auf dem Augenblick, dem Sein – keine Zukunft und keine Vergangenheit. Im Tantra geht es um nichts anderes als Bewusstsein!

Es gibt viele Methoden und Schulen, die mit verschiedenen Techniken das gleiche anstreben, um präsent zu sein. Es haben sich zwei Hauptarten etabliert:

  • die klassisch-indische Technik, bei der du ein Mantra, also ein Wort oder Ton permanent rezitierst, was dich in einen Zustand des Hier– und gleichzeitig ins Nicht-hier-sein versetzen soll. Es soll dich auf eine neutrale Schwingungsebene bringen.
  • die ZEN-Technik, bei der du in aufrechter Sitzhaltung dem Atem folgst oder dich auf etwas fokussierst, was eine andere Art des Hierseins ermöglicht. Es ist reines Beobachten.

In den USA wurde ein interessantes Experiment mit erfahrenen Praktizierenden dieser beiden Meditations-Techniken durchgeführt. Sie wurden in einen schalldichten Raum gesetzt und an Elektroden angeschlossen, damit genau festgestellt werden konnte, was in ihrem System vorging. Dann wurden sie in unterschiedlichen Abständen einem Geräusch ausgesetzt. Der Körper der Meditierenden aus Indien zuckte beim ersten Mal heftig. Beim nächsten Mal zeigte der Meditierende schon weniger Reaktionen, und mit zunehmender Tiefe der Meditation nahm er von dem Geräusch keine Notiz mehr. Das schrille Geräusch ertönte, aber der Meditierende war „nicht mehr da“, er hat sozusagen seinen Körper verlassen und eine andere Bewusstseinsstufe erreicht. Dagegen zeigte der nach der ZEN-Technik Meditierende bei jedem Ton die genau gleiche Reaktion.

Dieses Experiment zeigt, dass der eine seinen Körper verlassen hat und entweder bewusst oder unbewusst in andere Welten gegangen ist, während der andere wach im hier-und-jetzt ist. Die ZEN-Methode ist die reinste Art der Meditation, du tust einfach nichts und bist total hier. Das ist die einfachste und zugleich schwierigste Art der Meditation und es bedarf einiger Praxis, um überhaupt einen Zugang dazu zu finden. Sie bedeutet, wenn du einen Gedanken hast, bist du dir bewusst, diesen Gedanken zu haben. Wenn du eine Emotion hast, bist dir bewusst, diese Emotion zu haben. Wenn du gestört wirst, bist du dir dessen bewusst – und machst nichts damit. Keine Bewertung, keine Reaktion – nur beobachten. Je länger, desto besser. Für Anfänger oder „Gelegenheits-Meditierer“ ist sie eher ungeeignet und die meisten verlieren dann ziemlich schnell die Motivation.


Sitzen

Meditation ist nicht dafür gedacht, um etwas zu erreichen. Es geht um das genaue Gegenteil: um das Loslassen. Viele Meditationsschulen sagen, dass es das Wichtigste sei, die Gedanken zu unterbinden – aber niemand weiß so recht, wie das gelingen soll. Im Prinzip wird ja ein Gedanke automatisch durch den anderen ersetzt wie auf einem Fließband. Die alten Meister haben einen praktischen Leitfaden und sagen:

„Setz dich einfach hin und beobachte. Sobald du sitzt, wirst du dir all jener Gedanken bewusst, die schon die ganze Zeit da waren, die du aber nicht wahrgenommen hast. Dann lass sie ziehen wie die Wolken am Himmel.“

Du sitzt aufrecht, schließt deine Augen oder hast sie halb offen und nimmst die ganze Situation wahr. Dein Blick ist ist weit und „weich“, so als ob du träumst. Mehr ist nicht zu tun. Der Verstand ist wie ein Orchester, das nicht in Harmonie ist und in dem jeder Musiker nach Lust und Laune drauf los spielt – es herrscht Chaos. Es gilt, diese Gedanken wertungsfrei wahrzunehmen und loszulassen. Du beobachtest… und beobachtest… und beobachtest. Nach einer Weile wird alles geordneter, wird ruhiger und langsamer. Es entstehen Lücken zwischen den Gedanken. Irgendwann gibt es mehr Lücken als Gedanken. Atem und Pulsschlag passen sich an. Das ganze System fährt runter in eine Art wachen Stand-By-Modus. Und du sitzt einfach nur… und beobachtest… ohne Wertung.

Manchmal sieht man jemand im Yoga-Sitz meditieren, der Körper ist kerzengerade aufgerichtet, die Hände ruhen auf den Schenkeln und die Handflächen zeigen nach oben. Dabei bilden Daumen und Zeigfinger einen geschlossenen Kreis. Das sieht toll aus und wirkt im ersten Augenschein auch wissend. Auf die Frage, warum derjenige das tut, bekommt man meistens die Antwort: „damit die Energie besser fließen kann“! Oh mann… an solchen Verhaltensweisen merkt man ziemlich schnell, dass da etwas fürchterlich durcheinander gekommen ist. Beim Meditieren geht es nicht um das Lenken von Energien und schon gar nicht um ein zielgerichtetes Arbeiten damit… genau das Gegenteil ist der Fall. Entweder du machst Yoga, oder du meditierst. Setz dich einfach nur aufrecht und bequem (!) hin und mach nicht auf wichtig, das ist alles!


Meditationen im Zeitgeist

Es gibt viele Methoden, die uns helfen können bewusster zu werden. Hat man den Dreh einmal raus, kann sie zu einem stetigen Begleiter werden. Für den stressgeplagten und unter ständigem Zeitdruck stehenden westlichen Menschen gibt es die sogenannten aktiven Meditationen wie z.B. die Dynamische oder die Kundalini Meditation, bei denen man sich zuerst einmal auspowert, um dann körperlich entspannt in die Tiefe der Meditation zu gehen. Zuerst muss sich der Körper entspannen, dann folgt der Geist – nicht umgekehrt!

Es gibt eine Fülle von Meditations-Techniken und du kannst selber herausfinden, welche für dich am wirkungsvollsten ist. Die Tantriker haben geniale Praktiken für den Alltag entwickelt, die man jederzeit und an jedem Ort machen kann: die effektiven Micro-Meditationen. Und sie nutzen die Sexualität als als Katapult ins Sein. Im Tantra ist jeder Sexualakt eine Meditation!