Tantra, das Mysterium. Was ist Tantra?

Tantra in seinem ursprünglichen Konzept ist eine Wissenschaft des Bewusstseins, die spezielle Ideen, Übungen und Techniken benutzt. Es ist also keine simple Lebensphilosophie, wie man das so oft hört und liest. Philosophie fragt nach dem WARUM, Tantra interessiert nur das WIE. Philosophie ist eine Frage des „Kopfes“, und exakt dort möchte dich Tantra herausholen.

Indien, Tantra Tempel in Kajuraho

Bei der Übersetzung des Begriffes aus dem Sanskrit (der altindischen Sprache der Veden) bleibt viel Raum zur Interpretation. Leider haben sich auch einige Fehlinterpretationen durch die ersten Übersetzer bis heute hartnäckig gehalten. Lassen wir deshalb einen Mann zu Wort kommen, der ein Sanskrit-Experte und weltweit bekannter Tantra/Yoga-Lehrer ist: Satyananda Sarasvati.

„Tantra setzt sich aus zwei Sanskrit-Worten zusammen. Der erste Wortteil ist tanoti und heißt ausdehnen. Der zweite ist trayati und heißt befreien. Tantra bedeutet Ausdehnung und Freisetzung – Ausdehnung des Bewusstseins und Freisetzung von Energie. Energie und Bewusstsein sind die Hauptbestandteile jeder Lebensform. Damit Entwicklung stattfinden kann, müssen Bewusstsein und Energie zusammen wirken und sich unterstützen.“ Und weiter:

„Der Körper ist verdichtete Energie und der Geist ist Ausdruck des Bewusstseins. Obwohl wir unseren Körper als materiell wahrnehmen, sagt uns Tantra, dass er eine andere Manifestation von Energie ist, die von Bewusstsein unterstützt wird. Könnten wir durch ein Super-Mikroskop in unseren Körper blicken, würden wir hinter dem „festen“ Körper im Inneren den Atomkern als reine Energie erkennen. Darüber hinaus sagt Tantra: jede Materie ist verdichtete Energie und Bewusstsein!“


Diese These stützt die Geschichte von einem Musiker und einem Mädchen, die in der englischen Presse für Aufsehen sorgte. Dany nahm einen neuen Song im Studio auf. Auf dem Weg nach Hause verunglückte er tödlich. Zeitgleich wartete ein Mädchen in einem Krankenhaus auf ein Spenderherz, und das bekam es von Dany. Nach der OP schenkte der Vater des Mädchens seiner Tochter die nun auf den Markt gekommene CD von Dany, damit sie weiß von wem sie das Herz bekommen hat. Nach den ersten Tönen kannte sie jedes Wort eines jeden Liedes, ohne jemals davon gehört zu haben, so als ob sie selbst dieses Texte geschrieben hätte. Dies ist nur erklärbar, wenn jede Zelle auch Bewusstsein enthält und bei der Transplantation übertragen wurde!


Yoga lehrt uns, daß es im Körper verschiedene Schichten von Bewusstsein und Energie gibt. Diese Schichten sind wie feinstoffliche Körper innerhalb des physischen Körpers. Wir alle kennen Milch. Aus Milch lässt sich Butter, Yoghurt und Käse machen, einfach dadurch daß Milch einen bestimmten Prozess durchläuft. Beim Betrachten der Milch lässt sich davon aber nichts sehen. Auch unser physischer Körper enthält unsichtbare Elemente.

Der materielle Körper ist nichts als ein Behälter und innerhalb dessen befindet sich der Energiekörper. Es gibt auch noch den geistigen, den mentalen Körper. Die Erfahrung dieses Körpers ist das Bewusstsein, danach kommt die Erfahrung spiritueller Natur. Tantra versucht alle fünf Ebenen zu entwickeln: Materie, Energie, Geist, Bewusstsein und Spiritualität. Im Laufe der Zeit sind spezielle Techniken entstanden, die diesen Prozess unterstützen und ermöglichen.

Die wichtigste tantrische Übung ist Yoga (AsanasTantra Yoga), weitere Techniken sind Mantra, Yantra und Mandala. Der mentale Aspekt ist das Mantra, damit wird der Geist frei vom Ego. Das Yantra gibt der Energie einen Rahmen, diese ist als Shakti, als Antriebskraft bekannt. Shakti als Energie und Shiva als Bewusstsein bilden das Fundament von Tantra.

Dieses Shiva-Shakti Prinzip wird auch das männlich/weibliche Prinzip genannt. Shiva und Shakti müssen sich vereinigen, damit Erfüllung im Leben erfahrbar wird. Dies wurde oft dahingehend interpretiert, dass Sex bzw. der Koitus das Hauptthema von Tantra sei. Es geht aber primär um die Vereinigung der beiden Kräfte Shiva und Shakti, also Bewusstsein und Energie. Einige tantrische Linien wie z.B. das Vamacara Tantra nutzen die Sexualenergie als meditatives Instrument und setzen diese Aspekte auch körperlich als Vereinigungsritual um, aber immer als sakraler Teil einer Puja.

Yoga macht uns bewusst für Körper und Geist – es bringt beide in Harmonie, so dass körperliche und spirituelle Erfahrungen gemacht werden können. Yoga, Zen oder andere Meditations-Systeme sind erste Meilensteine auf dem Weg zu Tantra. Anders ausgedrückt: dort, wo Yoga aufhört, geht Tantra den Weg einfach weiter.