Die Schlüssel des Tantra

Tantra verneint nichts und transformiert alles. Es gibt einen Plan, eine Strategie um dich auf den Weg nach innen zu bringen und danach über dich hinaus. Tantra arbeitet mit dem Körper, der Sexualität, den Sinnen, dem Atem und der Bewusstheit. Das sind die fünf Schlüssel des Tantra.

Tantra Tempel, Indien, Kajuraho

Tantra Tempel in Kajuraho, Indien

Tantra sagt: „Wenn der Körper gereinigt ist von Repressionen, die Sinne befreit von Dumpfheit, der Verstand erlöst von zwanghaftem Denken – dann kann eine Vision in dir aufsteigen, die frei ist von allen Illusionen. Das ist die tantrische Vision“.


Der Körper und die Sexualität

Tantra lehrt dich, die Achtung und die Liebe zu deinem Körper zurückzugewinnen. Dein Körper ist die Basis, ist der Boden in dem du geerdet bist. Natürlich geht Tantra über den Körper hinaus, es verlässt ihn aber niemals, es ist im Körper verwurzelt. Welche Achtung hast du deinem Körper in deinem bisherigen Leben geschenkt? Hast du ihn vollkommen angenommen? Hast du seine Bedürfnisse befriedigt? Oder hat man dir gesagt, dass der Geist das Maß aller Dinge ist und du hast das geglaubt? Hast du ein sexuell erfülltes Leben, so dass deine Lebensenergie im Fluss ist?


Tantra sagt: “Reinige zuerst den Körper – reinige ihn von allem Unterdrückten. Lass die Körper-Energie fließen, beseitige die Blockaden, sonst wird dich nichts nach innen bringen und auch nichts über dich hinaus.“


Der Atem

Die meisten Menschen atmen sehr flach, der Atem kommt nicht über die Brust hinaus. Sowohl Tantra als auch Yoga lehren, tief zu atmen, um die Lungen vom Kohlenstoffdioxid und Stickstoff zu entlasten. Das Kohlenstoffdioxid und Stickstoff sind nicht für den Körper bestimmt, sie sind nur ein Bestandteil der Luft und müssen ständig ausgestoßen werden. Durch flaches Atmen ist die Lunge halb voll mit Kohlendioxid, deshalb sind viele Menschen träge, sie sehen nicht wach aus und deshalb fällt Bewusstsein so schwer.

Was wir brauchen ist Sauerstoff, er entfacht das innere Feuer und die Sexualität. Die Sexual-Energie muss freigesetzt werden, sie muss das ganze Wesen durchströmen, damit wir unser gesamtes Potenzial abrufen können und nicht auf Sparflamme laufen. Wenn du tief atmest, geht der Atem automatisch ins Sexualzentrum.


Tantra sagt: „Der Atem hat zwei Pole: Der eine ist dort, wo er den Körper und das Universum berührt, und der andere ist dort, wo er dich berührt, und damit das, was über das Universum hinausgeht. Der Atem ist die Brücke zwischen dir, dem Raum und der Zeit.“


Osho hat es einmal sehr präzise beschrieben: „Dein Körper ist Teil des Universums. Alles im Körper ist Teil des Universums, jedes Teilchen, jede Zelle. Er ist das, was dich dem Universum am nächsten bringt. Dein Körper ist dein direktester Zugang zum Universum. Der Atem ist die Brücke. Wenn die Brücke unterbrochen ist, bist du nicht mehr im Körper. Wenn die Brücke unterbrochen ist, bist du nicht mehr im Universum. Du gehst in eine unbekannte Dimension; dann befindest du dich nicht mehr im Raum und in der Zeit. Der Atem ist die Brücke.

Wir kennen nur den einen Teil des Atems. Wir kennen ihn nur dort, wo er ins Universum, in den Körper geht. Aber er geht jedesmal vom Körper zum Nicht-Körper, vom Nicht-Körper zum Körper. Den anderen Punkt kennen wir nicht. Wenn man sich den anderen Punkt bewusst macht, das andere Ende der Brücke, den anderen Brückenkopf, wird man plötzlich verwandelt, in eine andere Dimension versetzt.

Man muss keine bestimmte Atemtechnik üben, weder ein bestimmtes Atemsystem, noch einen bestimmten Atemrhythmus, nein! Man nimmt das Atmen so, wie es ist. Man muss sich dabei nur gewisse Punkte bewusst machen. Es gibt beim Atmen bestimmte Punkte, und diese Punkte sind Türen, die euch in eine andere Welt hineinführen können, in ein anderes Dasein, ein anderes Bewusstsein.“


Die Sinne

Sie sind die Pforten der Wahrnehmung, es sind die Fenster zur Wirklichkeit, zur Existenz. Aber bei den meisten Menschen sind die Sinne betäubt durch ständiges grübeln, planen und denken. Was nicht ständig verwendet wird, das verkümmert mit der Zeit.


Tantra sagt: „Fließe total in deine Berührungen ein, schmecke das Göttliche in jedem Geschmack. Berühre, rieche, schmecke, schaue, höre – so total und vollständig du nur kannst.“


Jedes Kind ist mit wunderbar intakten Sinnen geboren. Beobachte einmal eine zeitlang ein Kind in allem was es tut. Wenn es etwas anschaut, geht es völlig darin auf. Wenn es schaut wird es ganz und gar zum Auge. Und wenn es lauscht dann wird es zum Ohr. Und wenn es etwas isst dann wird es zur Zunge, mit allen seinen Sinnen. Schau dir die Lust und die Energie an, wenn es in etwas hineinbeißt, das ihm gut schmeckt! Und selbst wenn es am Strand eine einfache Muschel findet, dann wird diese Muschel zum Diamanten. Später im Leben wird dasselbe Kind die Wirklichkeit aber so wahrnehmen, als wenn sie hinter einer trüben Scheibe verborgen wäre. Viel Staub hat sich am Glas niedergeschlagen.

Wann hast du zum letzten Mal ganz bewusst und hingebungsvoll in einen saftigen Apfel gebissen und dabei das ganze Geschmacks-Spektrum gekostet? Oder war es eher so, dass du beim Kauen gleichzeitig noch geredet hast? Welche Aufmerksamkeit hast du dabei dem Apfel und deinen Sinnen geschenkt?

Hol dir deine Sinne zurück wann immer du daran denkst. Egal bei welcher Gelegenheit – schenke deinen Augen, Ohren, Händen, deiner Nase und Zunge mehr Aufmerksamkeit – nach und nach werden sie wieder erwachen. Lass es andächtig sein, dann wird ein neues Bewusstsein in dir aufsteigen.


Bewusstheit

Bringe Bewusstheit in dein Leben. Tantra unterscheidet drei Arten von Bewusstheit:

1) Lass den Verstand machen was er will. Lass ihn voller Gedanken sein und schau ihm einfach zu, unbeteiligt. Sei einfach nur der Beobachter, dann wirst du mit der Zeit sehen, dass sich zwischen den Gedanken auch Lücken der Stille einfinden.

2) Sobald dir die Lücken zwischen den Gedanken bewusst geworden sind, dann werde dir auch des Beobachters bewusst. Werde nun zum Zeugen, beobachte den Beobachter, und neue Lücken werden auftauchen. Dann wird der Beobachter allmählich verschwinden, genau wie die Gedanken. Und eines Tages ist auch der Denker verschwunden. Dann ist wirklich Stille.

3) Bei der dritten Bewusstheit sind Objekt und Subjekt verschwunden.