Tantra und Yoga – die Unterschiede.

Wichtige tantrische Übungen kommen aus dem Yoga (Hatha Yoga → die Asanas, Pranayama und das sogenannte Tantra-Yoga). Grundsätzlich verfolgen beide das gleiche Ziel, nämlich das Reduzieren von Leid (Moksha), bis ein dauerhafter Zustand von Leichtigkeit und Glückseligkeit (Satchidananda) erreicht wird. Wie dieser Zustand erreicht werden kann, darin unterscheiden sich beide konträr in ihren Wegen. Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, dann könnte man sagen, dass Yoga der Weg des Kampfes und der Disziplin ist, nämlich des Kampfes gegen sich selbst. Es ist der männliche Weg, es ist der Weg des Kriegers. „Du musst kämpfen, du musst dich disziplinieren und alles Schlechte unterdrücken, damit du das wirst was du sein könntest.“ Auf den Punkt gebracht ist es ein ständiges „Nein“ sagen.

Yoga hat seit den 1980er Jahren einen enormen Zulauf in der westlichen Welt. Die ursprüngliche Lehre hat sich mittlerweile in unzählige Variationen und Linien aufgesplittet. Es entsteht der Eindruck, dass ein Großteil der Praktizierenden unter Yoga hauptsächlich „körperliche Dehnungsübungen mit spirituellen Background“ verstehen. Das ist ohne Zweifel gut für den Körper, geht aber an der ursprünglichen Philosophie des Yoga völlig vorbei.

Viele beginnen mit Yoga und versuchen, über Nacht „Heilige“ zu werden. Sie sprechen über Sittenlehren, Ideale und Asketentum, verurteilen unsere Sexualität und vieles Andere. Das ist gleichbedeutend mit der Kritik an der Schöpfung selbst, der Verneinung des Lebens schlechthin. Wie soll das auf Dauer funktionieren? Wenn z.B. die Sexualenergie unterdrückt bzw. nicht ausgelebt wird, sucht sie sich andere Kanäle. Der Mensch wird aggressiv und unzufrieden, er sucht nach Ersatzbefriedigungen wie finanziellem Wohlstand, gesellschaftlicher Anerkennung oder Macht. Dies führt zwangsläufig zur Aufblähung des Ego.

Das Leben muss als Ganzes akzeptiert werden und nicht nur Teile davon, sonst wirst du gespalten und machst Yoga zu einer Pseudo-Religion.

Tantra ist der weibliche Weg, es geht den Weg genau entgegengesetzt: den Weg der Akzeptanz und Hingabe – es gibt nichts zu bekämpfen. Das tantrische Prinzip ist sehr einfach: “Wirke nicht gewaltsam auf die Muster deines Lebens ein. Diszipliniere dich nicht mit einem Panzer aus Moral und Dogmen, sonst wird aus deiner Disziplin eine Fessel. Akzeptiere dich so, wie du bist.” Es ist ein tiefes Ja-Sagen zum Leben. Die einzige tantrische Disziplin (wenn man es denn so nennen möchte) ist Bewusstheit: „Bringe Bewusstheit in dein Leben. Alles, was du tust muss aus einer großen Bewusstheit kommen, dann ist alles schick…

Yoga macht uns bewusst für Körper und Geist – es bringt beide in Harmonie, so dass körperliche und spirituelle Erfahrungen gemacht werden können. Yoga, Zen oder andere Meditationssysteme sind erste Meilensteine auf dem Weg zu Tantra. Anders ausgedrückt: dort, wo Yoga aufhört, geht Tantra den Weg einfach weiter. Menschen, die sich für den yogischen Weg entschieden haben, brauchen meistens Struktur und Halt in ihrem Leben. Der Tantriker strebt nach dem Gegenteil: FREIHEIT!

Sva Ha. So sei es!