CURRICULUM
Eine Reise durch Tantra, Bewusstsein, Körperlichkeit, Sexualität, Liebe und Spiritualität.
Ein Vorwort von Amano.

Die Suche nach dem Glück
Ich habe mich schon früh gefragt, was einen Menschen glücklich und erfüllt leben lässt. Warum gelingt es uns trotz all unserer Möglichkeiten, unseres Wissens und unseres materiellen Wohlstands so oft nicht, wirklich zufrieden und lebendig zu sein?
Wir können heute nahezu alles analysieren, messen und erklären. Wir verfügen über mehr Wissen als jede Generation vor uns und haben unzählige Möglichkeiten, unser Leben zu gestalten. Und trotzdem bleibt die Sehnsucht nach Nähe, Liebe, Sinn, Verbundenheit und einem erfüllten Leben bestehen.
Vielleicht liegt ein Teil der Antwort darin, dass wir den Menschen zu lange vor allem als denkendes Wesen betrachtet haben. Wir denken, planen, bewerten und funktionieren. Gleichzeitig verlieren wir dabei häufig den Kontakt zu etwas sehr Wesentlichem: unserem Körper mit seinen Sinnen, Gefühlen und der unmittelbaren Wahrnehmung. Genau hier beginnt Tantra.
Tantra beginnt mit Erfahrung
Tantra ist kein Glaubenssystem und keine Sammlung von Dogmen. Es ist vielmehr eine Einladung, den Menschen als Ganzes zu erfahren.
Körper und Geist.
Sinnlichkeit und Bewusstsein.
Nähe und Freiheit.
Lust und Achtsamkeit.
Stille und Lebendigkeit.
Tantra fordert uns auf, diese Bereiche nicht vorschnell voneinander zu trennen. Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Vorstellung davon zu erfüllen, wie ein „spiritueller Mensch“ zu sein hat. Es geht auch nicht darum, möglichst schnell einen bestimmten Zustand zu erreichen. Es geht darum, wahrzunehmen.
Was geschieht in meinem Körper?
Was empfinde ich gerade?
Wie fühlt sich Nähe für mich an?
Wo kann ich mich öffnen – und wo möchte ich eine Grenze setzen?
Solche Fragen lassen sich nicht allein mit dem Kopf beantworten. Man muss sie erfahren.
Zorba the Buddha
Körper und Bewusstsein miteinander verbinden
Ein Mensch hat mich auf meinem Weg besonders geprägt: Osho. Seine Vorstellung von einem neuen Menschen, von Zorba the Buddha hat mich deshalb so angesprochen, weil sie zwei scheinbare Gegensätze miteinander verbindet.
Zorba ist seine Bezeichnung der Figur des Alexis Sorbas in dem gleichnamigen Roman und Film mit Antony Quinn (1964) und steht für Lebensfreude, Sinnlichkeit, Genuss und die Bereitschaft, das Leben mit allen Sinnen zu erfahren. Buddha steht für Bewusstheit, Meditation, innere Ruhe und die Fähigkeit, ganz im gegenwärtigen Augenblick zu sein. Zorba the Buddha vereint beide Aspekte in einem Menschen. Also nicht entweder oder, sondern sowohl als auch.
Warum sollte man sich für das eine oder das andere entscheiden müssen? Für mich liegt gerade in der Verbindung beider Aspekte etwas Wesentliches: mit beiden Füßen im Leben stehen und gleichzeitig nach den Sternen zu greifen.
Es geht um Balance. Darum geht es auch in meinem Verständnis von Tantra: Das Leben mit allen Sinnen erfahren und dabei immer bewusster werden.
Die Wiederentdeckung des Körpers
Ein zentraler Gedanke des Tantra ist für mich die Rückverbindung mit dem Körper. Unser Körper ist nicht lediglich das Transportmittel für unseren Kopf. Er ist ein wesentlicher Teil unseres Erlebens. Über den Körper nehmen wir die Welt wahr. Wir spüren Berührung, Wärme, Lust, Anspannung, Entspannung und Nähe. Der Körper kann uns dabei helfen, wieder unmittelbarer im gegenwärtigen Moment anzukommen.
Gerade Berührung kann dabei eine besondere Bedeutung bekommen. Eine achtsame Berührung ist mehr als eine körperliche Handlung. Sie kann Aufmerksamkeit, Präsenz und Wertschätzung ausdrücken.
Viele Menschen haben im Alltag erstaunlich wenig bewussten Körperkontakt. Wir leben viel im Kopf, funktionieren, organisieren und erledigen. Der Körper wird häufig erst dann wirklich wahrgenommen, wenn etwas nicht mehr funktioniert oder Schmerzen verursacht. Tantra setzt einen anderen Akzent:
Den Körper nicht nur haben – sondern ihn wieder bewusst bewohnen.
Körper und Geist sind keine Gegensätze
Über Jahrhunderte und in unterschiedlichen kulturellen und religiösen Traditionen wurde der Körper teilweise gegenüber dem Geist oder der Seele abgewertet. Besonders die Sexualität wurde dabei häufig mit Schuld, Scham oder Verboten verbunden.
Tantra geht einen anderen Weg. Es betrachtet Körperlichkeit und Bewusstsein nicht grundsätzlich als Gegensätze. Sinnlichkeit muss Bewusstheit nicht verhindern. Sexualität muss Spiritualität nicht ausschließen. Im Gegenteil:
Gerade dort, wo etwas sehr unmittelbar wird – eine Berührung, ein Atemzug, ein Gefühl, ein Moment intensiver Präsenz – können wir erfahren, wie wenig sich Körper und Bewusstsein tatsächlich voneinander trennen lassen.
Das bedeutet nicht, dass jede körperliche oder sexuelle Erfahrung automatisch „spirituell“ ist.
Entscheidend ist vielmehr, wie bewusst wir sie erleben.
Sexualität und Bewusstsein
Sexualität gehört zu den kraftvollsten Bereichen menschlicher Erfahrung. Sie kann Lust und Ekstase sein, Nähe und Intimität, Verletzlichkeit und Begegnung. Sie kann uns mit unseren eigenen Wünschen ebenso konfrontieren wie mit unseren Ängsten und Grenzen. Tantra interessiert sich deshalb nicht nur für Sexualität als körperliche Handlung. Es geht um die Qualität der Wahrnehmung.
Kann ich Lust erleben, ohne sofort ein Ziel erreichen zu müssen?
Kann ich Erregung einfach wahrnehmen?
Kann ich Nähe zulassen und gleichzeitig bei mir bleiben?
Kann ich meinen Körper genießen, ohne ihn zu bewerten?
Solche Erfahrungen können einen neuen Zugang zu Sexualität und zu uns selbst eröffnen.
Freiheit statt Dogma
Für mich bedeutet Tantra nicht, eine neue Religion oder ein neues Regelwerk zu schaffen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Menschen sind unterschiedlich. Was sich für den einen stimmig anfühlt, kann für einen anderen nicht passen. Deshalb verstehen wir Tantra als einen offenen Erfahrungsraum.
Du darfst neugierig sein.
Du darfst ausprobieren.
Du darfst Nein sagen.
Du darfst deine Grenzen spüren und achten.
Du darfst dich öffnen, wenn es sich richtig anfühlt.
Und du darfst jederzeit bei dir bleiben.
Bewusstheit bedeutet für mich nicht, möglichst viel zu tun. Manchmal bedeutet sie auch, etwas nicht zu tun.
Vom Wissen zur Erfahrung
Dieses Curriculum möchte deshalb nicht behaupten, die eine Wahrheit über Tantra zu vermitteln. Es möchte neugierig machen.
Auf die Geschichte des Tantra.
Auf unterschiedliche tantrische Traditionen.
Auf Meditation und Bewusstsein.
Auf Körperarbeit und Energie.
Auf Sexualität und Sinnlichkeit.
Auf Liebe und Partnerschaft.
Und vor allem auf die Frage, was davon für das eigene Leben wirklich Bedeutung bekommen kann.
Denn Wissen kann inspirieren. Erfahrung aber verändert. Vielleicht ist genau das der schönste Zugang zu Tantra: Nicht alles verstehen zu müssen. Sondern sich selbst immer wieder neu zu erfahren.
Die Themen unseres Curriculums
In den folgenden Kapiteln findest du Texte und Informationen zu unterschiedlichen Aspekten von Tantra und seiner heutigen Entwicklung:
Tantrismus & Tantra
Die historischen Wurzeln und unterschiedlichen Strömungen tantrischer Traditionen.
Neo-Tantra
Die Entwicklung moderner tantrischer Wege und ihre Bedeutung für unser heutiges Leben.
Tantra & Yoga
Gemeinsamkeiten, Unterschiede und die Verbindung von Körper, Atem, Energie und Bewusstsein.
Sexualität & sexuelle Energie
Lust, Erregung, Körperbewusstsein, Intimität und die bewusste Erfahrung von Sexualität.
Liebe & Partnerschaft
Verliebtsein, Begehren, Nähe, Freiheit und die Herausforderungen menschlicher Beziehungen.
Maithuna
Ein Blick auf die tantrische Tradition ritueller Vereinigung und ihre heutige Bedeutung.
Chakra Puja
Ritual, Energiearbeit und bewusste Begegnung.
Das YoniVersum
Weiblichkeit, Yoni, Körperwissen und die Auseinandersetzung mit weiblicher Kraft und Geschichte.
Literatur
Bücher und weiterführende Quellen für alle, die tiefer in die Welt des Tantra eintauchen möchten.
Nimm dir Zeit.
Lies, was dich interessiert. Hinterfrage, was dir begegnet. Und vor allem: Finde deinen eigenen Zugang.
Denn Tantra ist am Ende nichts, was man nur lesen kann.
Tantra will erfahren werden.
→ Zu unseren Kursen, Workshops und Seminaren
